Die Berliner SPD und das Spiel

ARCHIV - Der SPD-Landesvorsitzende von Berlin, Jan Stöß, spricht am 13.06.2015 in Berlin auf dem Landesparteitag der Sozialdemokraten in Berlin. Foto: Tim Brakemeier/dpa (zu dpa «Medien: Michael Müller will wieder SPD-Chef werden» vom 13.04.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++Die SPD ist als zumindest ehemalige Arbeiterpartei in vielen Gegenden noch immer die Wahl der Kleinen Leute. Wer sich als der einfache Mann von der Straße sieht, wird eher der SPD angehören und diese wählen als die eher unternehmerfreundliche CDU oder die liberale FDP. Und in vielen Bereichen hat die Sozialdemokratische Partei auch immer deren Interessen vertreten, vor allem wenn es um soziale Gerechtigkeit ging. Der Berliner Landesverband sorgte sich auch um das Wohlbefinden seiner Mitglieder und vor allem jener, die als spielsüchtig gelten. Man sah das Problem in der Zahl der Spielhallen und startete eine Kampagne, die Zahl derer zu reduzieren, was letztlich auch gelang. Berlin hat das schärfste Spielhallengesetz Deutschlands. Es stellt sich natürlich die Frage, ob damit auch das Problem der Spielsucht gelöst wurde. Denn wer heute ins Kasino gehen will, der kann einfach online gehen und zum Beispiel das Wunderino Kasino besuchen. Und weil Online-Kasinos eben online sind, kann man die nicht so einfach mit einem Stadtratsbeschluss schließen. Außerdem haben die meisten Online-Kasinos auch Mechanismen, die zu hohe Einsätze verhindern oder zu viel Spielen unterbinden. Und die überwiegende Zahl der Online-Kasinos hat sich auch verschiedenen Initiativen angeschlossen, die verantwortliches Spielen bewerben. Die Berliner Initiative hatte auch Eindruck in anderen Ländern gemacht. Glücksspiel ist Ländersache, und in vielen Ländern sah man die Spielhallen als Ursache allen Übels. Die echten Kasinos, aus denen die Länderkassen fürstlich gespeist werden, sind davon nicht betroffen. Und in Zeiten eines weltweiten Internets ist es schwierig für Landespolitiker, Gesetze zu machen, die für jemanden gelten, der ein in den USA ansässiges Onlinekasino besucht. Zwar gibt es immer wieder Versuche, Online-Kasinos auf europäischer Ebene zu regeln, durchgesetzt hat sich aber noch keiner. Und so können Spieler weitgehend unbehelligt von politischen Einfluss weiterhin Spaß daran haben, eine Partie Poker zu spielen, am virtuellen Roulette-Tisch zu stehen oder ein paar Minuten an einem Spielautomat zu verbringen.

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